Bühnenfotografie.
Ein Rausch für die Sinne.

In den Momenten der höchsten Konzentration vergesse ich beim Fotografieren meine eigene physische Existenz: ich bin ich dann selbst nur noch Auge und Bildprozessor, mein Körper bildet eine Einheit mit der Kamera und meine Sinne sind voll und ganz auf das Geschehen eingestellt. Es ist ein wundervolles Erlebnis, derart in den kreativen Workflow einzutauchen: es ist ein Rausch der Sinne, ein leichtes Schweben welches mich vergessen lässt wie hart ich arbeite. Ich liebe diesen metaphysischen Zustand, der in glücklicher Erschöpfung endet.

Auf die Rolle des stillen Beobachters reduziert, kann der Bühnenfotograf weder auf den Ablauf der Vorführung einwirken, noch eine Kommunikation mit den Künstlern während der Vorführung aufbauen. Nicht selten wird ihm von Veranstalter sogar ein bestimmter Standort oder Sitzplatz zugewiesen. Er muss auch mit den vorherrschenden Lichtbedingungen fertig werden. Wenn die Vorstellung beginnt, ist der Fotograf allein auf sein fotografisches Können und auf sein Gespür für den magischen Moment angewiesen.

Fühlen, nicht denken!

Als Bühnenfotograf verstehe ich mich als Generalist: ich bin weder Experte für Musik, Tanz noch für das Schauspiel und auch nicht für Opern oder Musicals. Von der auf der Bühne dargebotenen Aufführung verstehe ich vermutlich nicht viel mehr als der durchschnittliche Besucher. Indes, als Fotograf bin ich Experte für das Sehen. Die Magie meiner Bühnenfotos entsteht dadurch, dass ich den Zauber des Bühnengeschehen mit den unvoreingenommenen Augen eines vom Expertenbalast befreiten Fotografen betrachte und mich bei meiner fotografischen Arbeit nur von den gefühlten Emotionen inspirieren lasse. Die Kombination aus professioneller Distanz und emotionaler Anteilnahme ist mein Erfolgsrezept. Meine Motivation zur Bühnenfotografie entspringt dem Wunsch den Künstler meine Bewunderung für ihre faszinierende Performance Ausdruck zu verleihen. Mir gefällt die Idee der heimliche Komplize der Künstler zu sein, der aus der dunklen Anonymität des Zuschauerraumes die Faszination des Bühnengeschenen in kongenialen Fotos festhält.

Die Inszenierung des Inszenierten

Choreographie als Inszenierung von Bewegungsabläufen kann als die Kunst der Unterteilung von Räumen unter der Verwendung von ästhetische Geometrien verstanden werden. In diesem Sinne unterteilen die Darsteller der Inszenierung mit der Bewegung ihrer Körper den Bühnenraum. In Analogie zu diesem Gedanken kann die Komposition von Lichtbildwerken (Fotos und Videos) in sofern auch als Choreographie verstanden werden, als dass die Bildelemente − etwa nach den Regeln des "Goldenen Schnittes" − in raumästhetischen Bezug zueinander gebracht werden. Die Herausforderung der Bühnenfotografie liegt bei dieser Betrachtungsweise nun darin, die Choreographie im vierdimensionalen Bühnenraum (Raum und Zeit) überzeugend auf den zweidimensionalen Bildraum einer Fotografie oder den dreidimensionalen Raum einer Videografie (Bild und Zeit) zu transformieren. Durch diese Transformation der Bühnenchoreographie in die Bildchoreographie wird die Bühnenfotografie zur fotografische Inszenierung des Inszenierten. Bühnenfotos werden immer dann erfolgreich sein, wenn in ihnen einerseits die individuelle Handschrift des Lichtbildners sichtbar wird und andererseits die Lichtbilder zugleich auch die künstlerische Aussage des Bühnenperformance zu transportieren vermögen.


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